Sensei (jap.): Bezeichnung für einen Lehrer.

Der Begriff wird jedoch auch für andere hohe Ränge gebraucht (z.B. Professor, Arzt, Meister usw.). Das Gegenteil zu Sensei ist Gakusei (Student, Studierender) oder Deshi (Schüler, Lehrling).

Der Lehrer des Weges

Der Lehrer des Weges oder der Meister, in Japan Sensei genannt, hat in den asiatischen Kulturen eine andere Bedeutung als in Europa. Dort ist er nicht derjenige, der einem Schüler Wissen oder Können vermittelt, sondern derjenige, der den Weg zeigt. Dazu bedient er sich einer Kunst (Jutsu), deren Ziel jedoch über das Erlernen der Formen hinaus in einer inneren Auseinandersetzung besteht, woraus die Möglichkeit zum Weg entsteht. Die Lehre (Oshi) eines Meisters ist daher jenen Menschen unzugänglich, die nur die Form wollen. Sie wendet sich an das dem Menschen innewohnende Potential zum Höheren, zum unerweckten „Meister in ihm".
Die Bezeichnung Sensei bezieht sich auf einen Menschen, der sich bereits auf dem Weg befindet, um die Problematik der Weghindernisse weiß und in der Lage ist, Schüler über diese Hindernisse zu führen. Sie trifft nur dort zu, wo die Übung, die er leitet (Geiko), dem Weg und nicht einer Fertigkeit zu irgendeinem Zweck dient. Auf dem Weg zielen alle zu erübenden Techniken auf ein inneres Wachsen (Shisei) und je vollendeter die Technik, um so größer wird die Forderung des Weges nach dem vollendeten Menschen. Jeder wirkliche Meister wird seine Kunst nur zu diesem Zweck verwenden.

Das Wirken des Lehrers

Meister des Weges ist ein Mensch, wenn in seinem Ausdruck der innere Kampf um das höhere Ideal sichtbar geworden ist, nicht jedoch wenn er bloß eine hohe Leistung vollbringen kann. Der Weglehrer ist auch kein Lehrer im herkömmlichen Sinn, der Schlecht von Recht unterscheidet und dogmatische Wahrheiten vermittelt. Er erkennt keine Thesen an, die das Resultat eines Nachahmens oder Ausleihens sind, sondern er zeigt den Weg zum eigenen Sehen, zum eigenen Denken, den Weg der Befreiung von allem Gefangensein in den Normen und Gewohnheiten, in den unüberprüften Meinungen und Vorurteilen, gleich worin sie bestehen.
So kann ein Schüler (Deshi), der diesen Weg lernen will, ihm in keiner Situation gerecht werden. Mit herkömmlichen Lernhaltungen zu einem Meister zu gehen heißt, sich ewigen Unfrieden auszusetzen. Das einzige, was den Meister interessiert, ist der Kampf des Schülers gegen sein Ich. Kein echter Meister wird in einem Anfänger je etwas anderes sehen als eine vom kleinen Ich verhinderte Möglichkeit zum Wachsen. Nimmt er die Verantwortung als Lehrer an, wird er das Hindernis bekämpfen.