Bedeutung ''Unsui'' ?


„Die Vorstellung Wolken und Wasser als ein Vorbild der Lebensführung zu betrachten, stammt ursprünglich aus dem Daoismus, der das chinesische Zen im gleichen Maß beeinflusst hat wie der Buddhismus. Wasser besiegt auch die stärkste Kraft, denn es weicht allen Hindernissen mit seiner trügerischen Bescheidenheit aus, so dass keine Macht es daran hindern kann, seinen Weg zum Meer fortzusetzen. Der Weise wählt das Wasser zu seinem Lehrmeister. Es siegt durch Demut und Nachgiebigkeit. Es greift niemals an und gewinnt dennoch jeden Kampf. Der Weise, der diesen Lebensstil versteht, zeichnet sich durch Demut aus. Er wirkt durch Passivität, handelt im Nicht- Tun und besiegt jedes Hindernis. Die Wolken gelten im Daoismus und Buddhismus als Symbol der Losgelöstheit und Freiheit."
[Werner Lind; Ostasiatische Kampfkünste- das Lexikon]

 


Geschichte und Entstehung des Unsui-Dojo


Der Karateabteilung der TG-Neuss wurde im Jahr 2002 der Name des Unsui-Dojo offiziell gegeben. Diese Namensgebung war das erste nach außen hin deutlich wahrnehmbare Zeichen, dass sich die mittlerweile seit fast 25 Jahren bestehende Karateabteilung der TG-Neuss stark verändert hat. Plötzlich erschien auf den Jacken der Karateka das Unsui-Symbol, das äußerlich den Einbruch einer neuen Art des Karateausführens bei der TG-Neuss angekündigt hat. Die Veränderungen wurden nicht nur durch das nach außen hin gut wahrnehmbare auf der Anzugsjacke herzseitig angebrachte Unsui-Zeichen sichtbar, sondern erfolgten unter anderem im organisatorischen Bereich, im strukturell-inhaltlicher Schwerpunktsetzung des Trainingscurriculums, im wettkämpferischen Bereich als auch im kooperativen Bereich mit anderen Dojos. Die Abkapselung von den alten Arbeitsweisen führte zu einer Neuorientierung im Karate. Im Unsui-Dojo, in dem hauptsächlich das Goju-Ryu Karate praktiziert wird, wurden nun ebenfalls andere technischen Ausführungen als auch Kampfmethoden trainiert. Die zahlreichen Beiträge aus anderen Kampfkünsten (Aiki-Jutsu, Aiki-Jo, Judo, Nunchaku), die nun Einzug in das alltägliche Trainingsgeschehen erhielten, machten das Curriculum vielfältiger und ermöglichen jedem Unsui-Karateka seinen eigenen Stil aus den zahlreichen Elementen der Kampfkünste zu entwickeln ohne vom Hauptstil des Goju-Ryu abzuweichen.

 

Schwerpunkte des Trainings


Kata

In diesem Trainingskomplex werden die traditionellen Kata trainiert. Der Schwerpunkt liegt in richtiger und abgerundeter Ausführungsweise der Kata.

Bunkai

Die Katainterpretation wird anfänglich im Verlauf der Kata trainiert. Mit zunehmender technischen und geistigen Verständnis werden die einzelnen Sequenzen in kombinierten Partnerformen angewandt, wobei schließlich über die „konventionellen" Bunkaiformen hinaus mit Hilfe der persönlichen Kreativität eigene Auslegungsmöglichkeiten gefunden werden sollen. Von ausschlaggebender Bedeutung ist hier der traditionelle Hintergrund der Kata, der der individuellen Kreativität Schranken setzt, um die Eigenauslegungen nicht als wesenfremden Elementen des Karate erscheinen zu lassen.

Selbstverteidigung

Entgegen Widermeinungen vertritt das Unsui-Dojo die Ansicht, dass die traditionellen Kata und ihre Bunkai - trotz des Ursprungs als reine Selbstverteidigungsmethode - in bestimmten Bereichen nicht der tatsächlichen Anforderungen einer Selbstverteidigungssituation gereicht werden. Angesichts dieser Meinung werden dieser und der vorgenannte Trainingsschwerpunkt mehr oder minder im Trainingsgeschehen getrennt behandelt, was nicht die Anwendung vieler in der Kata geübten Techniken und Bunkai-Möglichkeiten ausschließt. Automatisierung bestimmter technischer Bewegungsabläufe, die der effektiven und effizienten Selbstbehauptung dienen und der Realität Rechnung tragen sollen, werden in diesem Bereich geübt.

Dojo-Kumite

Dieser umfangreiche Trainingskomplex meint vorwiegend den freien Kampf in seiner Vielgestaltigkeit, deren Grundlage alle bis jetzt aufgezählten Trainingsschwerpunkte sind. Das Loslösen von jeglichen Regeln des modernen Wettkampfkarates, der Einsatz nahezu aller Waffen des Karate, der Kampf gegen einen und mehren, unbewaffneten und bewaffneten Gegnern, im eingeschränkten Kampffeld und uneingeschränkten mit Hindernissen gegenständlicher Art und ohne machen diese Trainingsmethode zu der höchsten Herausforderung im kämpferischen Sinne. Hier können die Kämpfer im einvernehmlichen Vertrauen die gefährlichsten Kampftechniken ausprobieren und durch Eigen- und Fremderfahrungen ihren Kampfstil auf eine reelle Situation hin überprüfen.

Karateverständnis

Das Unsui-Dojo vertritt die Ansicht, dass man ohne eine theoretische Auseinadersetzung mit Karate nur eine stark auf die Äußerlichkeiten eingeschränkte Sicht hat. Somit findet im Unsui-Dojo ein kontinuierlicher Dialog mit den traditionellen Hintergründen der Kampfkunst, wobei das theoretische als auch das praktische Training in einem gesunden Einklang zu einander steht. Dementsprechend findet eine regelmäßige durch einzelne Ausarbeitungen der Unsui-Karateka Bereicherung des theoretischen Hintergrundwissens statt.