Karate (jap. 空手, dt. „leere Hand“) ist eine Kampfkunst, deren Geschichte sich sicher bis ins Okinawa des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt, wo einheimische okinawanische Traditionen (Ti)
mit chinesischen (Shàolín Quánfǎ) Einflüssen zum Tōde verschmolzen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand dieses seinen Weg nach Japan und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dort als Karate über die ganze Welt verbreitet.


Karate in seiner heutigen Form entwickelte sich auf der pazifischen Kette der Ryūkyū-Inseln, insbesondere auf der Hauptinsel Okinawa. Bereits im 14. Jahrhundert unterhielt Okinawa, damals Zentrum
des unabhängigen Inselkönigreichs Ryūkyū, rege Handelskontakte zu Japan, China, Korea und Südostasien.

Die urbanen Zentren der Insel, Naha, Shuri und Tomari, waren damals wichtige Umschlagplätze für Waren und boten damit ein Forum für den kulturellen Austausch mit dem chinesischen Festland.
Dadurch gelangten erste Eindrücke chinesischer Kampftechniken des Quánfu/Kempō nach Okinawa, wo sie sich mit dem einheimischen Kampfsystem des Te/De (Ryūkyū-Dialekt Tī) vermischten und sich so zum Tōde (Tōdī) oder Okinawa-Te (Uchinādī - „Hand aus Okinawa“) weiterentwickelten. Te bedeutet wörtlich „Hand“, im übertragenen Sinne auch „Technik“ bzw. „Handtechnik“. Der ursprüngliche Begriff
für Tōde oder Karate (jap. 唐手) kann daher frei als „Handtechnik aus dem Land der Tang“ (China) übersetzt werden (bedeutet aber natürlich die verschiedenen Techniken als Ganzes).

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karate stets im Geheimen geübt und ausschließlich von Meister zu Schüler weitergegeben. Während der Meiji-Restauration wurde Okinawa im Jahre 1875 offiziell zu einer japanischen Präfektur erklärt. In dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der sich die okinawanische Bevölkerung den japanischen Lebensgewohnheiten anpasste und Japan sich nach jahrhundertelanger Isolierung wieder der Welt öffnete, begann Karate wieder stärker in die Öffentlichkeit zu drängen.
Funakoshi Gichin, ein Schüler der Meister Yasutsune Itosu und Ankō Asato, tat sich bei der Reform des Karate besonders hervor: Auf der Grundlage des Shōrin-Ryū (auch Shuri-Te nach der
Ursprungsstadt) und des Shōrei-Ryū (Naha-Te) begann er, Karate zu systematisieren. Er verstand es neben der reinen körperlichen Ertüchtigung auch als Mittel zur Charakterbildung.

Neben den genannten drei Meistern war Kanryo Higashionna ein weiterer einflussreicher Reformer. Sein Stil integrierte weiche, ausweichende Defensivtechniken und harte, direkte Kontertechniken.
Seine Schüler Chōjun Miyagi und Kenwa Mabuni entwickelten auf dieser Basis die eigenen Stilrichtungen Gōjū-Ryū bzw. Shitō-Ryū, die später große Verbreitung finden sollten.

In den Jahren von 1906 bis 1915 bereiste Funakoshi mit einer Auswahl seiner besten Schüler ganz Okinawa und hielt öffentliche Karate-Vorführungen ab. In den darauffolgenden Jahren wurde der
damalige Kronprinz und spätere Kaiser Hirohito Zeuge einer solchen Aufführung und lud Funakoshi, der bereits Präsident des Ryukyu-Ryu Budokan – einer okinawanischen Kampfkunstvereinigung – war,
ein, bei einer nationalen Budō-Veranstaltung 1922 in Tōkyō sein Karate in einem Vortrag zu präsentieren. Dieser Vortrag erfuhr großes Interesse, und Funakoshi wurde eingeladen,
seine Kunst im Kōdōkan praktisch vorzuführen. Die begeisterten Zuschauer, allen voran der Begründer des Judo, Kanō Jigorō, überredeten Funakoshi, am Kōdōkan zu bleiben und zu lehren.
Zwei Jahre später, 1924, gründete Funakoshi sein erstes Dōjō.

Über die Schulen kam Karate auch bald zur sportlichen Ertüchtigung an die Universitäten, wo damals zum Zwecke der militärischen Ausbildung bereits Judo und Kendō gelehrt wurden.
Diese Entwicklung, die die okinawanischen Meister zur Verbreitung des Karate billigend in Kauf nehmen mussten, führte zur Anerkennung von Karate als „nationale Kampfkunst“;
Karate war damit endgültig japanisiert.

Nach dem Vorbild des bereits im Judo etablierten Systems wurde im Laufe der dreißiger Jahre dann der Karate-Gi sowie die hierarchische Einteilung in Schüler- und Meistergrade, erkennbar an
Gürtelfarben, im Karate eingeführt; mit der auch politisch motivierten Absicht eine stärkere Gruppenidentität und hierarchische Struktur zu etablieren.

Das japanische Karate teilt sich heute in vier große Stilrichtungen, nämlich Gōjū-Ryū, Shōtōkan, Shitō-Ryū und Wadō-Ryū auf, die ihrerseits auf zwei ebenfalls recht verbreitete okinawanische
Stile, Shōrei-Ryū und Shōrin-Ryū, zurückgehen.

(Quelle: Wikipedia)

 

Karate heute

 

Selbstverteidigung • Kampfsport • Fitnesstraining

Erziehung zur Selbstdisziplin und Reaktionsfähigkeit - in zwei Jahrzehnten zum Wettkampf entwickelt.

Nach dem Krieg wurde Karate in Europa als äußerst harte Art der Selbstverteidigung bekannt. Durch Darstellungen in Film und Fernsehen wurde der Eindruck erweckt, diese fernöstliche Kampfsportart sei äußerst brutal. Die Anhänger dieser Sportart gerieten in den Ruf, Schlägertypen zu sein. Doch in Wirklichkeit erzieht das harte körperliche und geistige Training den Karateka zur Selbstdisziplin.

Aus jahrhundertelanger, fernöstlicher Überlieferung wurde Karate als eine waffenlose Selbstverteidigung entwickelt, die den Zweck hat, einen oder mehrere Gegner kampfunfähig zu machen. Karate ist Angriff, wie Abwehr. Mittels harter, mit äußerster SchnelIkraft ausgeführte Schläge werden empfindliche Punkte des menschlichen Körpers getroffen. Diese Schläge und Stöße werden in schneller Aufeinanderfolge ausgeführt, was ein Höchstmaß an Koordination von Geist, Nerven und Muskeln erfordert. Um dies zu erreichen, ist ein intensives und spezielles Training erforderlich.

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde aus der ursprünglichen Selbstverteidigung ein sportlicher Wettkampf entwickelt. Im Kampf Mann gegen Mann müssen die harten Angriffe kurz vor dem Ziel abgestoppt werden. Hierzu ist eine große Selbstbeherrschung notwendig, insbesondere dann, wenn durch Zufall eine Attacke mit einer gewissen Härte durchgeführt wird. So kann man Karate als einen sozialen Kampfsport bezeichnen, der allerhöchste Achtung vor dem Gegner erfordert. Diese Haltung wird durch eine, dem Karate eigenen Etikette unterstützt. Es ist verständlich, dass das Karate-Training, das auf der einen Seite einen aggressiven Kampfgeist entwickeln soll, auf der anderen Seite jedoch zu äußerster Selbstbeherrschung erzieht, einen beträchtlichen Beitrag zur Entwicklung der Persönlichkeit leistet.


Das Karate-Training, das unterstützt wird durch zweckentsprechende Gymnastik, Schnellkraftübungen und Lauftraining, ist in seiner Vielzahl von Möglichkeiten und Anwendungsbereichen ein maximales gesundheitsforderndes Fitness-Training. Neben dem körperlichen Konditionstraining ist Karate eine der wenigen Sportarten, die hohe Anforderungen an die geistige Beweglichkeit stellt. Durch die unzähligen Wiederholungen von blitzschnellen, verschiedenen Abwehren und Angriffen sowie deren Kombinationen, wird die Reaktionsfähigkeit optimal geschult.



Die fünf Elemente


HOLZ 

WASSER

 

FEUER

 

METALL

 

ERDE